Was die Lotto-Statistik sagt und was nicht
Autor: Marko M. Veröffentlicht am 5 Minuten Lesezeit
Auf Lotometer sehen Sie, wie oft jede Zahl gezogen wurde, welche Zahlen gerade „heiß“ und welche „kalt“ sind und wann eine Zahl zuletzt gefallen ist. Das sind exakte Daten aus dem Archiv. Aber was sagen sie über die nächste Ziehung? Die kurze Antwort: nichts. Die lange Antwort ist interessanter, und dieser Ratgeber erklärt sie an den Zahlen des Archivs selbst.
Was das Archiv seit 2010 zeigt
Das Archiv auf Lotometer beginnt mit der Ziehung vom 8. September 2010, der ersten mit den heutigen acht Gewinnrängen. Bis Ende 2025 sind das 1.661 Ziehungen mit je sechs Gewinnzahlen, insgesamt 9.966 gezogene Zahlen (die Zusatzzahl ist hier nicht mitgezählt). Wären alle Zahlen exakt gleich oft gekommen, hätte jede rund 221 Mal fallen müssen.
Tatsächlich sieht es so aus:
- am häufigsten gezogen wurden die 3 (259 Mal) und die 27 (257 Mal), danach die 4 (250), die 32 (244) und die 10 (241);
- am seltensten kam die 31 (189 Mal), danach die 21 (192), die 19 (197), die 33 (198) und die 36 (204).
Die häufigste Zahl wurde also 70 Mal öfter gezogen als die seltenste. Auf den ersten Blick wirkt das wie ein Beweis, dass manche Zahlen „glücklicher“ sind. Das sind sie nicht.
Warum Unterschiede ganz von selbst entstehen
In jeder Ziehung hat jede Zahl dieselbe Chance, unter den sechs Gewinnzahlen zu sein: 6 von 45, also rund 13,3 %. Auch nach 1.661 Ziehungen heißt das nicht, dass jede Zahl genau gleich oft gezogen wird, so wie 100 Münzwürfe selten genau 50 Mal Kopf ergeben. Nach der Binomialverteilung liegt die übliche Abweichung vom Durchschnitt in diesem Archiv bei etwa 14 Ziehungen nach oben oder unten. Bei 45 Zahlen ist zu erwarten, dass sich einige zwei- bis dreimal so weit vom Durchschnitt entfernen.
Wir haben das nachgeprüft und das Archiv mehrere tausend Mal mit reinem Zufall nachgebildet: 1.661 Ziehungen, jede Zahl gleich wahrscheinlich. Der Abstand zwischen häufigster und seltenster Zahl lag dabei meist bei etwa 60, und in etwa jedem fünften Durchlauf betrug er 70 oder mehr. Die Spanne von 189 bis 259 ist also genau das, was der Zufall hervorbringt.
Das zeigt sich auch von Jahr zu Jahr. 2025 wurde die 27 ganze 30 Mal gezogen, die 26, die 37 und die 39 nur je 7 Mal. Zu erwarten waren rund 16,5. Ein Ausreißer wie die 27 ist selten: In unseren Zufallsdurchläufen kam nur in etwa einem von 30 simulierten Jahren irgendeine der 45 Zahlen auf 30 Ziehungen. Selten heißt aber nicht unmöglich, und über die nächste Ziehung sagt es nichts. Die Listen der heißen und kalten Zahlen ändern sich ständig, weil sie zufällige Folgen beschreiben, die schon vorbei sind.
Der Spielerfehlschluss
Der häufigste Denkfehler beim Lotto ist der Glaube, eine Zahl, die lange nicht gekommen ist, sei jetzt „fällig“, oder eine oft gezogene Zahl müsse jetzt eine Pause machen. In der Mathematik heißt das Spielerfehlschluss. Die Kugeln haben kein Gedächtnis: Die Trommel weiß nicht, was letzte Woche gezogen wurde. Die Chance, dass die 31 in der nächsten Ziehung dabei ist, ist genauso groß wie bei der 3, rund 13,3 %, egal, was vorher passiert ist.
Dasselbe gilt für ganze Kombinationen. Die Kombination 1, 2, 3, 4, 5, 6 hat genau dieselbe Chance wie jede andere Kombination: 1 : 8.145.060. Sie wirkt nur unwahrscheinlicher, weil sie nicht „zufällig“ aussieht.
Kombinationen wiederholen sich fast nie
Auf der Seite jeder Ziehung steht, ob dieselbe Kombination schon einmal gezogen wurde. Bei 8.145.060 möglichen Kombinationen und 1.661 Ziehungen liegt die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Ziehungen irgendwann dieselbe Kombination ergeben, bei rund 15,6 %. Im Archiv ist das tatsächlich einmal passiert: Die Kombination 12, 30, 32, 34, 37, 43 wurde am 22. Jänner 2014 gezogen und noch einmal am 24. Juli 2024, mit unterschiedlicher Zusatzzahl (8 und 21). Das ist kein Wunder, sondern etwas, das in einem Archiv dieser Größe in etwa einem von sechs bis sieben Fällen vorkommt. Und es macht diese Kombination für die Zukunft weder besser noch schlechter.
Die Summe der Zahlen
Auf der Seite jeder Ziehung zeigen wir auch die Summe der sechs Gewinnzahlen. 2025 lag sie im Durchschnitt bei 137,2, die kleinste Summe war 69, die größte 211. Der mathematisch erwartete Durchschnitt ist 138, die Wirklichkeit liegt also nah an der Theorie. Kombinationen mit sehr kleiner oder sehr großer Summe kommen seltener, weil es weniger von ihnen gibt, nicht weil die Trommel die Mitte „bevorzugt“.
Hat Statistik überhaupt einen Nutzen?
Ja, nur nicht zum Vorhersagen. Es gibt einen einzigen seriösen Hinweis, und er ergibt sich aus der Aufteilung der Gewinnsumme. Die Ränge 1 bis 7 werden zu gleichen Teilen auf alle Gewinner eines Rangs aufgeteilt, nur der achte Rang ist ein fixer Betrag. Viele Menschen tippen Geburtstage, deshalb sind die Zahlen bis 31 beliebter, ebenso Reihen und Muster auf dem Tippschein. Gewinnen Sie mit einer solchen Kombination, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass Sie den Gewinn mit mehr Personen teilen müssen. Die Chance auf einen Treffer bleibt gleich, der Betrag pro Kopf kann aber kleiner ausfallen.
Nützlich ist Statistik auch als Realitätscheck. Der Spielsimulatorzeigt, was derselbe Tipp gekostet und gebracht hätte, wäre er in jeder Ziehung seit 2010 gespielt worden. Für fast jede Kombination ist das Ergebnis dasselbe: Die Einsätze sind ein Vielfaches der Gewinne, weil im Durchschnitt weniger als die Hälfte des Geldes als Gewinn zurückfließt.
So lesen Sie die Statistik auf Lotometer
- Die Ziehungsstatistik zeigt, wie oft jede Zahl gezogen wurde, für das ganze Archiv und für einzelne Jahre;
- heiße und kalte Zahlen sind die häufigsten und seltensten Zahlen eines Zeitraums, nicht die von morgen;
- Kombination prüfen zeigt, wie oft Ihre Zahlen im ganzen Archiv getroffen hätten.
All das beschreibt die Vergangenheit. Die nächste Ziehung ist immer neu, und jede Kombination hat darin dieselbe Chance.
Quellen
- Ziehungsarchiv Lotto „6 aus 45“ auf Lotometer, vom 8. September 2010 bis 31. Dezember 2025, aus den Ergebnisdateien der Österreichischen Lotterien auf win2day.at.
- Erwartungswert und Abweichung sind aus der Binomialverteilung berechnet (Wahrscheinlichkeit 6/45 pro Ziehung, 1.661 Ziehungen); die Spannen stammen aus eigenen Zufallssimulationen mit derselben Zahl an Ziehungen.
- Die Wahrscheinlichkeit einer wiederholten Kombination ist nach dem Geburtstagsproblem berechnet (1.661 Ziehungen, 8.145.060 Kombinationen).